04. Dezember 2018

Für gute Stimmung sorgen – eine Frage der Methode

Die Mitarbeiter zucken zusammen, die Angst steigt. Der Chef will Feedback geben... oh nein. Alltag in den Unternehmen. Die meisten Mitarbeiter haben Angst vor den Feedbackgesprächen, würden diesen lieber fernbleiben und sich stattdessen den alltäglichen Arbeiten widmen...

Und wieso diese Angst? Weil seit Jahrzehnten das Thema Feedback zwar vielseitig trainiert wurde, jedoch die meisten Führungskräfte das Gelernte nicht umgesetzt haben, sondern weiterhin falsch Rückmeldungen geben. Und wenn wir 30-40 Jahre zurückblicken "durften" Führungskräfte auf Grund der starren Hierarchie sowie sagen wie und was sie wollten... egal, wie gut es dem Mitarbeiter damit ging.

Es ist jedoch Zeit, dass wir gute Dinge, erfolgreich gelaufene Projekte, kleine und große Erfolge mehr würdigen und professionelles Feedback geben. Positive Rückmeldungen sollten nicht nach der bekannten schwäbischen Methode gegeben werden, sondern zu einem bewussten, geplanten separaten Zeitpunkt mit einer positiven Haltung und Sprache. Lassen Sie uns zwei Methoden näher betrachten: 

  1. Wie lobe ich richtig-Methode
  2. Erfolgsmeetings

Starten wir mit dem ersten Punkt. Wie lobe ich richtig? Dazu die folgenden Prinzipien:

a) Loben Sie die Leistung, keine Eigenschaften

Sagen Sie nicht „Sie sind ein guter Redner!“, sondern erklären Sie genau, was gut am Verhalten war. Also z. B. „Sie hatten eine gute Rhetorik mit umfangreicher Nutzenargumentation, Sie waren ruhig gestanden, hatten klaren Blickkontakt zu den Zuhörern“ usw. So kann eine Person sein Verhalten modellieren und kopieren, d.h. immer wieder in diesem Umfang abrufen.

b) Dosieren Sie Ihr Lob

Jeden Tag Lob? Nach jeder guten Leistung Lob? Nein, dosieren Sie es und setzen Sie es bewusst dort ein, wo ein Lob oder Danke wirklich Sinn macht. Irgendwann wird sonst Dauerberieselungs-Lob langweilig und die Ohren klappen zu. Kennen Sie vielleicht aus der Kindererziehung…

c) Loben Sie ehrlich

Sie wollen ein Lob politisch oder strategische einsetzen? Vergessen Sie es. Das fällt auf. Loben Sie aus dem Herzen.

d) Loben Sie der Berufserfahrung angemessen

Was heißt das jetzt? Ein Berufsanfänger sollte für andere Leistungen und Verhaltensweisen gelobt werden als jemand, der seinen Job schon 10 Jahre erfüllt. Es gibt Leistungen, die irgendwann selbstverständlich werden. Dann sollte es „nur noch“ z. B. in einem Jahresgespräch angesprochen werden. Überlegen Sie, was dem Mitarbeiter oder dem Kollegen wirklich weiterhilft.

e) Nehmen Sie sich Zeit

Loben Sie bitte nicht zwischen „Tür und Angel“, nicht am Salatbuffet der Kantine und auch nicht im Aufzug. Nehmen Sie sich Zeit! Planen Sie das Gespräch. Es muss deswegen nicht eine Stunde dauern. Aber seien Sie selbst im vollen Bewusstsein und geben Sie sich und dem anderen Raum.

f) Selbstsichere Mitarbeiter gleich loben als unsichere?


Auf keinen Fall. Hier ist Empathie notwendig. Jeder Mensch benötigt seine Rückmeldungen anders. Sie sollten sich selbstverständlich an die Feedback-Regeln halten, dennoch ist Zeitpunkt, Raum und Art unterschiedlich. Und gerade bei unsicheren Menschen dürfen wir behutsamer Loben und Danken. Die Gefahr besteht sonst, dass diese sich zurückziehen und genau dies wollen wir nicht erreichen.

g) Freuen Sie sich über den Lösungsweg… … und nicht nur über das Ergebnis

Viele Führungskräfte (gerade Vorstände) freuen sich über das Ergebnis. Seien Sie auch auf den Lösungsweg stolz, vor allem dann, wenn Sie sich in einer komplexen, sich dauernd ändernden Welt befinden.

h) Konkret sein

„Das war gestern eine gute Präsentation!“ – dies ist eine Nullnummerrückmeldung. Wieso? Nach so einer Rückmeldung kann niemand etwas kopieren und modellieren. Und gerade darum geht es ja. Nach einer positiven Rückmeldung soll das Verhalten nochmals angewendet werden. Also seinen Sie konkret: „Gestern hatten Sie eine fehlerfreie Powerpoint-Präsentation mit schönen, passenden Bildern. Sie selbst haben gut argumentiert, Ihre Körpersprache war dem Publikum angemessen und zwar…“. Jetzt kann das positive Verhalten beim nächsten Mal wieder genutzt werden.

i) Vergleichen Sie nicht mit Anderen

„Ihr Kollege hat das besser gemacht.“ – nein so auf keinen Fall. Vergleichen Sie das Verhalten nicht mit Anderen. Gehen Sie gezielt auf die individuelle Vorgehensweise ein. Sie können gerne Ergebnisse miteinander vergleichen, aber nicht das Verhalten.

Eine weitere schöne Methode, Rückmeldungen zu geben ist das sogenannte ERFOLGSMEETING. Dieses sollten Sie als Führungskraft regelmäßig durchführen (wobei Sie das REGELMÄßIG entscheiden dürfen). Ziel dieses Meetings ist es, dass das Team und Sie als Führungskraft positive Dinge aufzählen und darüber reden. Dazu gibt es ein paar Regeln:

a) Nur Positives

Es darf wirklich nur Positives berichtet werden. Nörgler und Kritiker dürfen sogleich verstummen.

b) Auch Kleines zählt

Es geht hier nicht (nur) um große Verkaufs-Erfolge, sondern auch um kleine Maßnahmen, die Gutes bewirkt haben (z. B. eine Erkenntnis im Training, ein „Trick“ in Excel, eine Formulierung, eine Veränderung).

c) Keine Bewertungen der Anderen

Sorgen Sie dafür, dass die Freude nicht durch unsachgemäße Äußerungen wie „das ist für dich ein Erfolg?“ gestört wird.

d) Machen Sie mit

Seien Sie Vorbild und freuen Sie sich auch über kleine, wie mittlere und auch große Erfolge.

e) Kein Sarkasmus

Das Meeting darf auf keinen Fall in Sarkasmus verfallen. Das Thema ist ernst und sollte auch ernst behandelt werden.

f) Nicht am Ende einer Agenda

Planen Sie für dieses Meeting einen separaten Zeitslot ein – nicht am Ende eines anderen Meetings frei nach dem Motto „wir haben noch 5 Minuten“. Sie werden sehen, nach einigen Wochen wird sich die Stimmung im Team verändern. Tun Sie es.

Ach ja, das Jahresende naht. Spätestens jetzt sollten Sie noch Zeit einplanen, um Feedback zu geben. Wenigstens einmal im Jahr ;-) 

Viel Spaß und Erfolg wünscht Ihnen

Dr Peter Aschenbrenner

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